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Die Beckenbodengesellschaft Österreich beschäftigt sich Tag für Tag mit zahlreichen Themen rund um persönliche und sensible Bereiche. Es freut uns, Ihnen das geballte Wissen unserer Expert*innen in Form dieser wertvollen Inhalte zur freien Verfügung stellen zu können.

Neben Texten zum Nachlesen, präsentieren wir Ihnen auch Videos, die mit viel Engagement entwickelt und gedreht wurden.

Unsere Videos und Übungsvorschläge bieten einen guten Einstieg, ersetzen aber nicht den Weg zum/r echten Fachexpert*in!

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Weiblicher Zyklus – Menstruationszyklus – Periode – Regel- Tage...

verfasst von Andrea Hofbauer

Es gibt viele Möglichkeiten und Synonyme für die sich wiederholende Achterbahnfahrt der Hormone im weiblichen Körper zu benennen. 

Ab dem Zeitpunkt der Geschlechtsreife geht es im weiblichen Körper rund. Es gibt ständig Veränderungen von Hormonen, Stimmungen und allgemeinen Befindlichkeiten. Der Zyklus einer Frau ist ein ziemlich komplexer Prozess, aber es lohnt sich ein bisschen genauer hinzusehen.  

Das Ganze beginnt mit dem 1. Tag der Regelblutung. Dieser Tag ist der erste Zyklustag, weil es am eindeutigsten wahrgenommen werden kann. 

Dann geht es los. Der Start ist relativ weit weg vom eigentlichen Geschehen, nämlich im Gehirn, genauer gesagt im Zwischenhirn (Hypothalamus). Dort kommt das sehr kompliziert klingende Hormon GnRH, Gonadotropes Releasing Hormon, her. Das stimuliert die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) die dadurch das Hormon FSH ausschüttet. FSH heißt Follikel stimulierendes Hormon. Durch dieses Hormon kommen wir dem Ganzen schon näher, weil die Follikel die Eibläschen sind und sich im Eierstock befinden. Das heißt die Schaltzentrale oben gibt über FSH als Botenstoff den Auftrag, dass die Eibläschen im Eierstock reifen sollen. 

Im Eierstock reifen nun die Follikel, da sie weiterhin über FSH stimuliert werden. Während die fröhlich vor sich hin wachsen produzieren sie Östrogen, ein anderes Hormon. Östrogen oder Estrogen ist ein weibliches Geschlechtshormon und bewirkt unter anderem den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. Das Ganze dauert so ca. 14 Tage, dann meldet sich das Gehirn wieder zu Wort.  

Es bemerkt, dass die Hormonkonzentration im Blut einen gewissen Wert erreicht hat und setzt wieder ein neues Hormon, das LH (lutheinisierendes Hormon) frei. Dieses Hormon bewirkt, dass der gereifte Follikel im Eierstock platzt und die Eizelle frei gibt ( Eisprung). Mit dem Eisprung ist die erste Zyklushälfte auch Follikel- oder Eireifungsphase genannt beendet und es kommt zu einem schlagartigen Wechsel der Hormonkonzentrationen. 

Die Follikelhülle bleibt nach dem Eisprung im Eileiter zurück. Sie bildet sich zum sogenannten Gelbkörper um und dieser produziert vor allem Progesteron. Östrogen und Progesteron bewirken, dass sie Gebärmutterschleimhaut dick und gut durchblutet ist damit sich im Falle einer Befruchtung das Ei einnisten kann. Der Anstieg von Progesteron im Blut wird wiedermal im Gehirn bemerkt und hemmt jetzt die Ausschüttung von FSH damit keine weiteren Follikel stimuliert werden. 

Beim Eisprung wird die reife Eizelle freigegeben und springt sozusagen vom Eierstock in den Eileiter. Dort ist sie ca. 12 stunden befruchtbar. Dabei wandert sie gemütlich ca. vier bis sechs Tage durch den Eileiter wo sie wenn es zu einer Befruchtung kommen sollte auch befruchtet wird und sich dann in die Gebärmutterschleimhaut einnistet und eine Schwangerschaft beginnt. 

Wird die Eizelle nicht befruchtet und nistet sich nicht ein, geht der Gelbkörper zugrunde. Dadurch geht die Konzentration von Progesteron hinunter. Das bewirkt, zum einen, dass die Gebärmutterschleimhaut abgestoßen wird und zum anderen, dass die Konzentration von FSH wieder zu steigen beginnt, wodurch eine neue Eizelle heranreifen kann und das Ganze geht von vorne los. 

Im Durchschnitt dauert eine Regelblutung drei bis fünf Tage und kommt alle 28 Tage, wobei es hier individuelle Schwankungen gibt genau wie bei der Stärke der Blutung. Man verliert ca 30-60 ml Blut. 

Das ganze kurz und bündig für den Idealfall.
Zyklusdauer: 28 Tage
Regeldauer: 3-5 Tage
Blutverlust: 30-60 ml
Zyklustag 1 = 1. Tag der Blutung
Eisprung: Tag 14
Follikelphase/Eireifungsphase: variabel ab 1. Tag der Regel bis zum Eisprung
Sekretionspase/Gelbkörperphase: konstanter, 12-16 Tage vom Eisprung bis zum 1. Tag der Periode 

(Wäre die erste Phase die Konstante, dann wäre das Ganze deutlich einfacher, weil man genau wüsste wann der Eisprung ist. Aber wer braucht es bitteschön einfach.)

Fruchtbare Tage: vor und um den Eisprung herum. Spermien können einige Tage überleben, die Eizelle ist nur ca. 12 Stunden befruchtbar. Das heißt wenn die Spermien schon auf sie warten kann es zu einer Schwangerschaft kommen, wenn sie zu spät kommen  haben sie Pech gehabt.

 

Wichtige Hormone 

GnRH – gonadotropes Releasing Hormon- kommt aus dem Hypothalamus (Zwischenhirn) und stimuliert die Freisetzung von FSH.

FSH – Follikelstimulierendes Hormon: kommt von der Hypophyse = Hirnanhangdrüse und bewirkt im Eierstock, dass die Eizelle heranreift = Starter

Östrogen – weibliches Geschlechtshormon. Wird im Eierstock produziert. Nimmt in der ersten Zyklushälfte zu und in der 2. wieder ab. Bewirkt, dass sich die Gebärmutterschleimhaut aufbaut. Ab einer gewissen Östrogenkonzentration im Blut wird die Freisetzung von LH ausgelöst. 

LH-luteinisierendes Hormon- kommt aus der Hypophyse und bewirkt durch den schnellen Anstieg in der Mitte des Zyklus, dass die reife Eizelle platzt – den Eisprung und unterstützt den Umbau von der Eihülle zum Gelbkörper. 

Progesteron- weibliches Geschlechtshormon. Wird im Eierstock vom Gelbkörper produziert. Hemmt die Freisetzung von FSH und baut die Gebärmutterschleimhaut auf und sorgt für gute Durchblutung, damit sich die befruchtete Eizelle einnisten kann. Wird die Eizelle nicht befruchtet, stirbt der Gelbkörper ab und die Konzentration von Progesteron sinkt wieder.

Quelle: Wikipeadia

Zyklus und Sport

 verfasst von Clara Edler, Petra Höckner und Karin Mügge

Das ständige Auf und Ab der Hormone regelt nicht nur den weiblichen Zyklus, sondern beeinflusst auch die körperliche Leistungsfähigkeit beim Sport.

Wussten Sie, dass…

…unsere weiblichen Hormone im Laufe eines Zyklus unsere sportliche Leistungsfähigkeit beeinflussen? 

…wir Frauen in der Follikelphase (= Abschnitt zwischen dem Eintritt der Menstruation und des Eisprunges) eine höhere Leistungsfähigkeit haben? 

Hier sind intensivere und häufigere Trainingseinheiten sinnvoll, sowie Krafttraining. Denn das Hormon Östrogen hat eine anabole (=aufbauende) Wirkung auf unsere Skelettmuskulatur durch das Freisetzen des Wachstumshormons IGF. Des Weiteren hemmt  Östrogen die Schilddrüse, dadurch sinkt der Grundumsatz und der Kalorienverbrauch. 

…die Leistungsfähigkeit in der Lutealphase (= Abschnitt vom Eisprung bis zur Menstruation) geringer ist?

Die erhöhte Körperkerntemperatur kann auf das Atmungs- und Herz-Kreislaufsystem belastend wirken sowie leistungslimitierend. Zudem kommen ein geringerer Glykogenspeicher und eine erhöhte Herzfrequenz. In dieser Phase steigt das Progesteron, welches eine katabole (= abbauende) Wirkung hat. In der Lutealphase ist ein Krafttraining schwieriger, empfohlen sind lockere Trainingseinheiten und geringere Intensitäten.

…die größte Verletzungsgefahr für eine Ruptur des vorderen Kreuzbandes vor der Ovulationsphase besteht? 

Durch das Gelbkörperhormon Relaxin wird das Gewebe weicher, Schutzmechanismen wie Muskel- und Sehnenspindeln reagieren später somit steigt das Verletzungsrisiko, da das Knie vermehrten Schubbelastungen ausgesetzt ist. Die Verletzungsgefahr wurde in einer Studie mit Fußballerinnen genau untersucht.

…eine mäßige Trainingsintensität Schmerzen, Müdigkeit, Stimmungsschwankungen und Ähnlichem während der Menstruation entgegenwirken kann? 

…zwischen 70 und 80% der Frauen noch nie über die Wechselwirkungen von Sport und Menstruation gesprochen haben? 

…die oben angeführten Punkte nur für Frauen ohne hormonelle Verhütung und vor der Menopause gelten?

Quellen:
– Muscles Ligaments Tendons J. 2017 Jan. – Mar.; Effects of the menstrual cycle on lower-limb biomechanics, neuromuscular control, and anterior cruciate ligament injury risk: a systematic review
– Elisabeth Norz “Menstruationszyklus gesteuertes Krafttraining”
– Saba Shakalio / Christoh Hainc Scheller / Thomas Gronwald “Menstruationszyklusbasiertes training im Leistungssport”
– Strava “Internationale Befragung über den Zusammenhang von Menstruation und Sport zeigt: Frauen mangelt es an Informationen und Aufklärung”

Wie kann aus osteopathischer Sicht bei schmerzhafter Menstruation geholfen werden?

Der Osteopath/die Osteopathin wird nach einem Anamnesegespräch und einer anfänglichen körperlichen Untersuchung feststellen, ob in verschiedensten Systemen (Organ-, Durchblutungs-, Nerven-, Hormonsystem ) im Körper der Patientin Funktionseinschränkungen bestehen, die zu einer schmerzhaften Menstruation führen können.

Es wird unter anderem untersucht ob zum Beispiel Verklebungen der Bauchwand oder auch Einschränkungen der Beweglichkeit von Bauch- und Beckenorganen vorherrschen, welche häufig nach Operationen oder Entzündungen auftreten. Weiters werden aber auch die Zustände der arteriellen, venösen und lymphatischen Ver- und Entsorgung des Beckenraumes begutachtet und wenn nötig – zum Beispiel bei Stauungsproblemen – behandelt. Ein wichtiger Aspekt ist auch die nervale Versorgung des kleinen Beckens mit seinen Organen. Hierbei werden die zugehörigen Wirbelsäulenabschnitte und auch das Bindegewebe untersucht und bei Einschränkungen behandelt. Es wird auch die Hormonachse mit ihren dazugehörigen Organen miteingebunden und nachgefühlt, ob das System hier Unterstützung benötigt.

Da das osteopathische Vorgehen den ganzen Menschen zu erfassen versucht, wird das autonome Nervensystem, die Ernährung, die psychische Verfassung und der Lebensstil miteinbezogen und gegebenenfalls die Patientin zusätzlich zur Unterstützung an andere Berufsgruppen wie TCM-Ärzt*innen, Diätolog*innen, Psycholog*innen bzw. Psychotherapeut*innen weitergeleitet.

 

 Zyklus und Ernährung

 

 

„Ich bin jetzt eine Frau!“

Wie können Eltern ihren Töchtern in der Zeit des Erwachsen- und Frau-Werdens zur Seite stehen?

verfasst von Lisa Holzweber

Es gibt im Leben eines Kindes viele Ereignisse und Momente, die aufregend oder belastend sind, erwartungsvoll herbeigesehnt werden oder auch überfordernd sein können. Für diese Erlebnisse und auch Einschnitte ist der Beistand der Eltern notwendig. Die Unterstützung gibt dem Kind Sicherheit und vermittelt ihm, „Du bist nicht alleine!“

 

Zu diesen Ereignissen gehört auch der Eintritt der ersten Monatsblutung dazu.

Mit der Menarche wird ein Mädchen zur jungen Frau; sie ist Teil des Erwachsen-Werdens. Die persönliche Einstellung der Eltern und die Reaktionen des Umfeldes beeinflussen das Erleben des Mädchens von der eigenen Weiblichkeit ebenso, wie die Haltung und die Sichtweise, wie von klein auf dem Kind mit (oft tabuisierten) Thematiken begegnet wird.

Denn die Geschlechts- und Sexualerziehung beginnt nicht erst mit dem körperlich spürbaren und sichtbaren Einsetzen der Regelblutung.

 

Schon viel früher kann durch eine altersadäquate offene Erziehung in diesem Bereich die Vertrauensbasis gelegt werden, die zum Zeitpunkt „des Frau Werdens“ von Vorteil sein wird.

Ein offenes Ohr für das junge Mädchen zu haben, bei Fragen – wie u.a. „das Baby in den Bauch gekommen ist“ oder „wieso Buben einen Penis und Mädchen eine Vagina haben“ – kann dem Kind durch dem Alter entsprechenden Antworten, ein Sicherheitsgefühl vermittelt werden.

Kinder sind sehr wissbegierig und Eltern dann oft ratlos und im Moment überfordert.

Erwachsene interpretieren womöglich selbst zu viel in eine kindliche Frage hinein, die durch ein kurzes Nachfragen der Eltern ans Kind geklärt werden kann. „Was denkst du?“

Das Kind selbst philosophieren lassen um so zu erkennen und zu hören, wo steht mein Kind mit dem Denken zu dem Thema und wo setze ich mit meiner Antwort an.

 

Durch diese offene Haltung, die Eltern dem Kind in der Zeit des Erwachsen-Werdens entgegenbringen und die Ernsthaftigkeit, die sie ihm mit seinen Anliegen und Fragestellungen begegnen, lässt es zu einer jungen Dame heranwachsen, die spürt, erkennt und weiß, dass die Eltern ihr zur Seite stehen.

Als Beispiele können u.a. die altersadäquat und positiv verlaufende Gespräche über Geschlechtlichkeit und sexuelle Aufklärung, der gemeinsame Kauf des ersten BHs oder das gemeinsame Stöbern im Drogeriemarkt in der Hygieneartikelabteilung genannt werden.

Mütter können, wenn von den Töchtern gewünscht, von eigenen Erlebnissen berichten, wie sie die Zeit erlebt haben und wie sie sich fühlten vor und während der ersten Regelblutung. >Informationen können Ängste nehmen<

 

Welche Reaktion ist nun die richtige, wenn meine Tochter das erste Mal die Monatsblutung bekommt?

Im besten Fall weiß das Mädchen schon über die Menarche Bescheid. Der Eintritt ist dann keine Überraschung und die nun junge Dame kann dieses Ereignis auch einordnen.

Schon vorab kann sie positiv bestärkt und ihr mitteilt werden, dass die Periode im Leben einer Frau dazugehört und die positiven Aspekte aufzeigen u.a. die Möglichkeit Kinder zu bekommen oder den monatliche Gesundheitscheck, den im Vergleich Männer nicht haben.

Wie und ob die erste Regelblutung „gefeiert“ wird, sollte das Mädchen selbst entscheiden.

So wie das Kind früher gefragt wurde „Was denkst denn du?“, sollte zu diesem Zeitpunkt gefragt werden „Was möchtest du?“

Möchte es ein Fest feiern, möchte es einen Mutter-Tochter-Tag verbringen, möchte es einfach alleine im Bett liegen und Fernsehen, dann ist dies für den Moment das richtige.

Der jungen Dame soll das Gefühl vermittelt werden, dass die Eltern ihr zur Seite stehen, offen sind für Fragen und ihr eine Begleitung bieten durch die erste ungewisse Zeit des Frau-Werdens und Frau-Seins.

 

Manche Themen möchte das Mädchen auch mit Freund*innen besprechen. Die Peergruppe wird in dieser Zeit wichtiger. Relevant ist, dass der sichere Hafen, das Zuhause, bestehen bleibt, in dem über Themen gesprochen werden kann, die die Jugendliche bewegt.

 

Es kann sehr bereichernd sein, wenn Sie ihm Fragen stellen und zuhören und es kann für die Jugendlichen sehr wohltuend sein, wenn Sie offen und mit Ernsthaftigkeit auf ihre Fragen reagieren und ihr, bei einer möglichen Unsicherheit, achtsam zur Seite stehen.

Ich wünsche Ihnen wunderbare, offene Gespräche mit Ihrem Kind.

Endometriose

Verfasst von Karin Mügge

Was ist Endometriose?

Unter Endometriose versteht man eine gutartige Wucherung des Gebärmutterschleimhautgewebes wobei dieses Gewebe sich auch außerhalb der Gebärmutter in den benachbarten Körperregionen ansiedeln kann. 

Im Menstruationszyklus wachsen und bluten, zusätzlich zur Gebärmutterschleimhaut, auch Schleimhautwucherungen außerhalb des Uterus. Je nachdem, wo sich diese befinden, kann das Blut oft nicht nach außen abfließen und muss stattdessen langsam vom Körper abgebaut werden. Dadurch können sich dort häufig größere, blutgefüllte Zysten bilden. Besonders gefährdet sind dabei die Eierstöcke. Gewebereste und Blut der Endometrioseherde können Entzündungen, Verklebungen oder Verwachsungen auslösen, die zu gelegentlichen starken Schmerzen führen können. Dabei sind häufig Becken, Unterbauch, Eierstöcke und Eileiter betroffen.  Außerdem können auch tiefer liegende Wandschichten der Gebärmutter, Harnblase, Darm und das Bauchfell befallen werden.

Die Gebärmutterschleimhaut kann durchaus an jeder beliebigen Stelle des Körpers wachsen, in seltenen Fällen können sogar auch Organe wie die Lunge betroffen sein.

 

Wie ist der Verlauf?

Der Krankheitsverlauf kann sich unterschiedlich manifestieren. Auch stehen die Beschwerden nicht immer im direkten Verhältnis zum Grad der Ausbreitung der Endometriose. Unerhebliche Wucherungen in einem empfindsamen Gebiet des Körpers können gelegentlich zu ausgeprägten Symptomen führen während große Endometrioseherde nicht bemerkbar sind. 

 

Was sind die Ursachen?

Wie es zu den Wucherungen kommt ist medizinisch bis heute nicht geklärt, jedoch gibt es verschiedene Vermutungen zur Entstehung von Endometriose.
Hypothetisch können die Schleimhautzellen der Gebärmutter weiter transportiert werden und sich an einer anderen wieder Körperstelle ansiedeln.

 

Dies kann bei einer rückläufigen Menstruation entstehen, nämlich wenn die Monatsblutung rückwärts durch die Eileiter in die Bauchhöhle gelangt. Es wird auch angenommen, dass eine weitere Verbreitung der Endometriumzellen über Lymph- und Blutbahnen stattfindet oder auch dass eine Operation an der Gebärmutter im Bauchraum dies bewirken könnte.        

 

Eine weitere Vermutung geht davon aus, dass sich die Endometriumzellen außerhalb der Gebärmutterhöhle völlig neu bilden. Bis dato gibt es dafür aber keine Beweise und bleiben somit Hypothesen. So könnten auch die Veranlagung, eine Fehlfunktion des Immunsystems oder Umwelteinflüsse durchaus eine Rolle bei der Entstehung der Krankheit spielen.

 

Wie kann sich Endometriose äußern?

  • Infertilität, Subfertilität
  • Schmerzen während der Monatsblutung 
  • Monatsblutung mit unregelmäßigen wiederkehrenden und verstärkten Schmerzen im Unterleib, v.a.in der zweiten Hälfte des Monatszyklus
  • Zwischenblutungen
  • Bauch- und Rückenschmerzen, die eventuell auch in die Beine ausstrahlen (meist vor und während der Regelblutung)
  • Schmerzen während und nach dem Geschlechtsverkehr
  • Schmerzen beim Harnlassen oder beim Stuhlgang
  • Schmerzen bei gynäkologischen Untersuchungen 
  • Schmerzhafte Krämpfe im Blasen- und Darm Trakt 
  • Durchfall, Verstopfung oder Blähungen
  • Zyklische Blutungen aus Darm oder Blase 
  • Große Einschränkungen der Lebensqualität 
  • Psychische Erkrankungen wie Depression, Angststörungen, stressbezogene Erkrankungen

 

Wie wird Endometriose behandelt?

Bislang ist keine gezielte Behandlung der direkten Ursachen bekannt. Nichts desto trotz kann man die Symptome von Begleiterscheinungen, wie Verwachsungen und Vernarbungen, die eine Reihe von Beschwerden verursachen können durch chirurgische Eingriffe oder spezifische manuelle Techniken lindern und dadurch die Lebensqualität verbessern.

Es können u.a. folgende Beschwerden durch spezifische, angebrachte manuelle Techniken reduziert werden.:

  • Unterleib-, Becken-, Lenden- und Beinschmerzen 
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • unerfüllten Kinderwunsch
  • schmerzhafte Periode (Dysmenorrhoe)

 

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Quelle:

Fachdiskussion mit Univ. Prof. Dr. Ambros V. Huber, FA für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Oberarzt der Medizinischen Universität Wien

Frau im Wechsel
Verfasst von Sabine Leh

Welchen Veränderungen ist eine Frau im Wechsel ausgesetzt?

Die Menopause bedeutet das Ende der reproduktiven Phase der Frau. Der genaue Zeitpunkt ist nach den ersten 12 Monaten ohne Regelblutung definiert. Das Klimakterium umfasst die Phase ca. drei Jahre vor der Menopause mit unregelmäßigen Zyklen bis 12 Monate nach der letzten spontanen Menstruationsblutung. ¹ ²

 

Welche häufigen Symptome können während des Wechsels auftreten?

Im Klimakterium kommt es zu einer verminderten Hormonproduktion, vor allem von Östrogen und Progesteron. Dies kann zu Reizbarkeit und depressiven Verstimmungen führen, aber auch Hitzewallungen und Trockenheit der Scheidenschleimhaut, können auftreten. Durch verringerte Elastizität des Gewebes kann es zu Spannungsverlust im Beckenbodenbereich und damit verbunden, zu Senkungsbeschwerden und Inkontinez kommen. Ebenso können Kopfschmerzen und Migräne, Schlaflosigkeit oder Gelenkschmerzen auftreten. Auch Osteoporose und erhöhte Cholesterinwerte können Folge der veränderten Hormonproduktion sein.¹ ²

 

Wie verläuft der Wechsel?

Jede Frau erlebt den Wechsel anders, da vor allem die Symptome vielfältig sind, und natürlich nicht bei jeder Frau im gleichen Maß oder Stärke auftreten. Je drastischer die Senkung des Hormonspiegels, desto heftiger sind die Symptome und Begleiterscheinungen, je weniger der Hormonspiegel sinkt, desto geringer sind die Symptome und umso problemloser wird dieser Lebensabschnitt von der Frau empfunden.¹ ²

 

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

  • Spezialisierte Physiotherapeut*innen und Osteopath*innen können dazu beitragen, dass betroffene Strukturen mobilisiert, bzw. die Hormonproduktion der Hormondrüsen aktiviert werden und durch gezieltes Training der Beckenbodenmuskulatur die Muskelbalance wiederhergestellt wird. Energie und Kraft aus der Mitte verbessern die Lebensqualität 
  • Gemeinsam können wir auch diesen schwierigen Lebensabschnitt meistern.

 

Sie haben es in der Hand – unsere effektivsten Übungen für Sie:

  • Grashalme zupfen: 

 

Sie stellen sich vor, Sie sitzen an einem warmen Sommertag auf einer Wiese. Nun versuchen Sie, mit der Scheidenmuskulatur einen Grashalm „hochzuzupfen“, 

Wichtig: nach jedem Hochziehen lassen Sie den Grashalm wieder los, versuchen Sie, die Gesäßmuskulatur dabei nicht anzuspannen. Zupfen Sie 10 Grashalme.

  • Ein Liedchen pfeifen: 

 

Ausgangsstellung: Im Stehen, Knie sind leicht gebeugt

Fersen abwechselnd vom Boden lösen und Gewicht auf die Ballen (Vorfuß) bringen. Dazu ein Liedchen pfeifen, es kommt zu einer reaktiven Spannungserhöhung im gesamten Beckenbodenbereich. 

30Sekunden lang (2x Happy Brirthday)

Zusätzlich kann ein weicher Ball mit beiden Händen vor dem Körper gehalten werden und im Takt kurz zusammengedrückt und wieder lockergelassen werden.

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Quellen:

¹ R. Tanzberger, A. Kuhn, G. Möbs: Der Beckenboden- Funktion, Anpassung und Therapie – Das Tanzberger-Konzept (2.Auflage), Urban & Fischer

² Dinah Rodrigues: Hormon-Yoga, Das Standardwerk zur hormonellen Balance in den Wechseljahren, Schirner Verlag

Geburt

Verfasst von Andrea Arztmann und Susanne Riedl

Die Geburt ist ein einmaliges und individuelles Ereignis, das mit vielen Hoffnungen, Ängsten und Sorgen einhergeht. 

Wie können Mutter und Kind im Laufe der Geburt gut zusammenarbeiten und so die Anpassung an die neue Situation besser meistern? 

Anfangs steht das Neugeborene im Zentrum der Aufmerksamkeit, dabei darf man nicht vergessen, dass Frauen etwas Großartiges vollbringen und somit Unterstützung benötigen.  

Wichtig ist die Erwartungshaltung, diese sollte möglichst realistisch sein und nicht wertend. Jede Geburt ist individuell und einzigartig, jedes Ereignis wird ganz subjektiv erfahren. 

Im Fokus der Geburtsvorbereitung aus osteopathischer Sicht steht die emotionale Komponente, die Atmung und Entspannung.

1. Emotionale Komponente

Der Begriff „sanfte“ Geburt sorgt bei manchen Frauen für eine falsche Auffassung des Geburtsvorganges. Die Geburt ist ein unglaubliches Ereignis, sowohl für ein Baby, als auch für eine Frau. Das Kind wechselt von der Welt im Körper der Mutter in die Welt außerhalb. Die Frau, wenn sie erstgebärend ist, hat noch wenig Vorstellung davon was auf sie zukommt und kommt körperlich und psychisch häufig an ihre Grenzen. In der heutigen Zeit macht sich hier auch ein gewisser Leistungsdruck bemerkbar, der sich auf die Schwangere, Gebärende und junge Mutter auswirkt. 

  • Die Atmung 

unter der Geburt ist für die Gebärende und das Neugeborene von zentraler Bedeutung. Für die Bewältigung von körperlichem wie psychischem Stress ist die Atmung wesentlich. Sie dient als Werkzeug, mit der man seine Fähigkeiten steigern kann eine Situation zu meistern. 

Auch wenn der weibliche Körper für Schwangerschaft und Geburt geschaffen ist, kann die Geburt eine Frau an ihre Grenzen bringen. Deshalb macht es Sinn sich auf die Geburt wie auf andere körperliche Höchstleistungen vorzubereiten.“ 

 

2. Was passiert beim ersten Atemzug des Neugeborenen?

Mit dem ersten Atemzug verändern sich körperlich im Neugeborenen zahlreiche Prozesse

  • Der Körper des Neugeborenen kann sich erstmals ausdehnen und weiten und ist den Gesetzen der Schwerkraft unterworfen.
  • Die Blutzirkulation wird komplett eigenständig.
  • Die Körperquerstrukturen (Diaphragmen) und die gesamten Flüssigkeiten im Körper beginnen in ihrem eigenen Rhythmus zu fließen und sich zu bewegen. 
  • Die Nabelschnur wird nicht mehr benötigt.

3. Die Entspannung

Die Gebärende vollbringt während der Geburt sportliche Höchstleistungen. Daher ist es besonders wichtig zu lernen angespannte Muskeln zu entspannen. 

Es kann sein, dass die gesamte Anspannung der Geburt noch länger im Körper bleibt. Durch die körperlich und psychisch anstrengende Zeit nach der Geburt ist es umso wichtiger auf die Entspannung der Mutter und des Neugeborenen zu achten und zu unterstützen. 

Osteopathie, Physiotherapie als auch psychotherapeutische Konsultationen können dabei wertvolle Wegbegleiter sein.

 

Sie haben es in der Hand – unsere effektivsten Übungen für Sie nach der Geburt:

  • Ruhiges Atmen 
  • Beginnen sie mit einem ruhigen Einatmen (wenn möglich durch die Nase), ohne besonderer Anstrengung. Das heißt: Bevor es anstrengend wird, sollte die Einatmung beendet sein. Darauf folgt ein kurzes Innehalten, eine Art kleine Pause. 
  • Danach kommt es zu einem langsamen, geführten und bewussten Ausatmen (durch den leicht geöffneten Mund).
  • Dabei stets darauf achten, dass der Kiefer locker bleibt.
  • Und es kommt zu einem neuerlichen kurzen Innehalten, einer kleinen Pause.
  • Von neuem beginnen Sie mit der Einatmung usw. 
  • Das Ausatmen dauert länger als das Einatmen. Immer bewusst auf die Ausatmung einlassen, das Einatmen geschieht wie von selbst. 
  • Entspannung nach Jacobson ®

 

Diese Entspannungsmethode erweist sich ebenfalls als sehr effektiv.

 

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Quellen: 

¹ Neumann, 2019

² Barbara Schimetits: „Schwangerschaftsbegleitung in der Osteopathie“ Kursskriptum 2019

Hämorrhoiden

Verfasst von Ulrike Schneider 

Was sind Hämorrhoiden?

Hämorrhoiden (griech.: haima= Blut, rhein= fließen) oder auch Hämorriden sind ein Gefäßpolster in der Analschleimhaut, der gemeinsam mit den Beckenbodenmuskeln den After verschließt und für die Stuhlkontinenz wesentlich mitverantwortlich ist.

 

Wie entsteht ein Hämorrhoidenleiden und wie kann es sich äußern?

Bleibt das Blut in den Hämorrhoiden gestaut, erweitern und vergrößern sich die Gefäße und verursachen Beschwerden, wie Brennen, Jucken oder Nässen im Analbereich, ein Fremdkörpergefühl und hellrotes Blut am Stuhl oder auf dem Toilettpapier.

Ursachen für die Entstehung eines Hämorrhoidenleidens können das vermehrte Pressen beim Stuhlgang (bei chronischer Verstopfung), regelmäßiges Heben und Tragen schwerer Lasten, eine Bindegewebsschwäche der Gefäßwände und eine Abflussbehinderung bei Sitzender Arbeit (Bewegungsmangel), Übergewicht Schwangerschaft (durch das Baby) sein.

Das Hämorrhoidenleiden wird in 4 Schweregrade eingeteilt. 

Grad 1: ist die häufigste Form. Sie ist die mildeste Ausprägung, bei der die Gefäßerweiterung nur durch eine Spiegelung des Analkanals festgestellt werden kann. 

Grad 2: hierbei wölben sich die Hämorrhoiden beim Pressen nach außen und ziehen sich von alleine wieder in den Analkanal zurück.

Grad 3: die Hämorrhoiden müssen mit dem Finger zurückgeschoben werden.

Grad 4: hier bleiben die Gefäße außerhalb des Afters und lassen sich nicht mehr zurück schieben.

Wie kann das Hämorrhoidenleiden behandelt werden?

Nur wenn Sie darüber sprechen und Sie sich Hilfe holen. Ansprechperson kann Ihr Hausarzt sein. Er schickt Sie je nach Schweregrad zu den passenden Experten wie einem Chirurgen, Proktologen oder Gastroenterologen oder speziell geschulte PhysiotherapeutInnen.

Bei milden Formen und zur Prophylaxe steht die konservative Behandlung an erster Stelle.

  • Kein Pressen beim Stuhlgang. Setzen Sie sich auf die Toilette, stellen Sie beide Füße gut auf den Boden. Lassen Sie sich Zeit, um Ihr „Großes Geschäft zu verrichten“. Gut Ding braucht Weile.
  • Versuchen Sie zu erreichen, dass Ihr Stuhl weich und geformt ist, indem Sie regelmäßige Bewegung, ballaststoffreiche Ernährung und ausreichend Flüssigkeitszufuhr (1,5 – 2 Liter auf den Tag verteilt) achten.
  • Entzündungshemmende Sitzbäder mit Kamille oder Eichenrinde bringen manchmal Erleichterung.
  • Ihr Arzt kann Ihnen schmerzstillende und entzündungshemmende Salben, Zäpfchen oder Analtampons verordnen. 
  • In der Physiotherapie lernen sie eine aufrechte Körperhaltung und eine, die Beckenbodenmuskulatur aktivierende und Becken- und Bauchorgane stützende Arbeitshaltung einzunehmen (beim Tragen, Bücken…). So können Sie eine Druckerhöhung im Bauchraum reduzieren. 
  • Ein gezieltes Training der Beckenbodenmuskulatur unter Anleitung einer/s speziell geschulten Physiotherapeut*in verbessert die Kontinenz und entlastet die Gefäße. 
  • Osteopathische Behandlungen können den Behandlungserfolg unterstützen und Beschwerden lindern. Vor allem in der Schwangerschaft können sie Erleichterung bringen. Über die Bauchdecke und durch die Scheide bzw. After werden Spannungen an Organen sowie ihren Aufhängungen und an Faszien gelöst.
  • Eine moderate Gewichtsreduktion wirkt sich positiv aus.
      • Die Chancen, dass sich das Hämorrhoidenleiden nicht verschlechtert und Sie zufrieden damit leben können, sind sehr hoch, wenn es Ihnen gelingt, die Ursachen zu reduzieren und Sie regelmäßig über 3-6 Monate Ihre Beckenbodenmuskeln stärken.

       

      Bei höhergradigem Befund oder Komplikationen wie stärkere Blutungen oder nicht beeinflussbare Schmerzen müssen Sie das weitere Vorgehen und ev. eine endoskopische Behandlung oder Operation mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen.

       

      Sie haben es in der Hand – unsere effektivsten Übungen für Sie:

      Planen Sie täglich Bewegung an der frischen Luft ein. Je nach Trainingszustand gehen Sie zum Beispiel ca. 20 Minuten spazieren. 

      Machen Sie morgens vor dem Aufstehen 5 Minuten Bauchmuskelübungen. z.B. in Rückenlage ein Bein aufstellen und mit dem anderen Bein Radfahrbewegungen in der Luft beschreiben. Nach einer Minute die Seite wechseln. Immer auf einen fließenden Atem achten.

      Abends setzen Sie sich auf ein kühles Kirschkernsäckchen. Sie richten sich auf und spüren mit dem Afterbereich die Temperatur und Konsistenz des Säckchens. Stellen Sie sich vor, dass Sie mit dem Afterschließmuskel einige Kirschkerne aufpicken und auch wieder einzeln los lassen. Spannen Sie dabei auch den Afterschließmuskel an und entspannen ihn dann auch wieder ganz bewusst.

      Unsere Expert*innen unterstützen Sie bei Ihrem individuellen Anliegen:

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      Quellen:

      ¹ Herold A (2011) Hämorrhoiden. In: Brühl W, Herold A, Wienert V (Hrsg) Aktuelle Proktologie. 4.Aufl. UNI-MED Sience, Bremen

      ² Rivadeneira D, Steele S, Ternent C et al(2011) Practice parameters for the management of hemorrhoids (Revised 2010). Dis Colon Rectum 54:1059-1064 

      ³ Joos AK, Herold A (2010) Hämorrhoidalleiden, Gastroenterologie 5:326-335

      ⁴ Allan A, Samad AJ, Mellon A, Marshall D (2006) Prospective randomised study of urgent haemorrhoidectomy compared with non-operative treatment in the management of prolapsed thrombosed internal haemorrhoids. Colorectal Dis 8:41-45

      ⁵ MacRae H, McLeod R (1995) Comparison of hemorrhoidal treatment modalities: a meta-analysis. Dis Colon Rectum 38: 687-694

      ⁶ Stelzner F, Staubesand J, Machleidt H (1962) Das corpus cavernosum recti- die Grundlage der inneren Haemorrhoiden. Langenbeck`s Arch Chir 299:302-312

      Harninkontinenz

      Verfasst von Andrea Hofbauer und Nina Schweighofer

      Was ist Harninkontinenz?

      Harninkontinenz bezeichnet den unfreiwilligen Verlust von Harn, der verschiedenste Ursachen haben kann. Ort und Zeitpunkt des Harnabgangs können nicht willkürlich festgelegt werden und Betroffene haben eine unterschiedlich starke Einschränkung der Lebensqualität.
      „In Österreich sind etwa 850.000 Frauen und Männer von einer Harninkontinenz betroffen, d.h. etwa jeder zehnte Einwohner. Bei Frauen tritt dieses Leiden weitaus häufiger auf.“¹

      Was sind die häufigsten Formen der Harninkontinenz?

      • Die Belastungsinkontinenz (BIC oder Stressinkontinenz) bezeichnet einen Urinverlust unter körperlicher Belastung wie zum Beispiel beim Laufen, Springen, Husten, Niesen oder Lachen.
      • Als Dranginkontinenz (überaktive Blase, Reizblase, Urge-Inkontinenz) bezeichnet man einen plötzlich auftretenden, starken Harndrang der nicht zu kontrollieren ist. Der Harndrang tritt auch auf, wenn die Blase noch nicht vollständig gefüllt ist. 
      • Eine Mischform der beiden oben genannten Formen wird als Mischinkontinenz bezeichnet. 

      Wodurch kann eine Harninkontinenz entstehen?

      • Schwangerschaft und Geburt
      • Leistungssport
      • Hormonelle Veränderungen (wie. z.B. Wechsel, Menopause) 
      • Tumore
      • Medikamente
      • Übergewicht
      • Organsenkungen
      • Alter
      • Neurologische Erkrankungen

      Machen Sie den Beckenboden-Test:

      https://welovepinkplanet.com/

      Wie wird eine Inkontinenz behandelt?

      •  Physiotherapeut*innen und Osteopath*innen machen eine individuelle Befunderhebung und eine darauf bezogene maßgeschneiderte Therapie, die aktive und passive Elemente beinhaltet: 
          • Beckenbodentraining
          • Allgemeines Krafttraining und Haltungsschulung
          • Alltagsverhalten
        • Es gibt verschiedenste Hilfsmittel, um den Alltag mit Harninkontinenz einfacher zu gestallten. Hier sind einige angeführt:
        • Vorlagen, Slips, Windelhosen, Kondomurinale, Blasenkatheder
        • Spezialtampons bei körperlicher Belastung, Pessare zum Anheben der Blase
        • Trainingsutensilien für die Beckenbodenmuskulatur wie Biofeedbackgeräte oder Vaginalkonen (Gewichte die man zum Training in die Scheide einführt)

        Welches das passende Hilfsmittel für Ihre Beschwerden ist besprechen Sie bitte mit Ihrem/Ihrer behandelnden Arzt/ Ärztin bzw. Physiotherapeut*in oder Osteopath*in.

        • Medikamente (für nähere Informationen kontaktieren Sie bitte Ihren/Ihre behandelnde/n Arzt/Ärztin)

        Sie haben es in der Hand – unsere effektivsten Übungen für Sie:

        Für die nächsten beiden Übungen nehmen Sie bitte eine aufrechte Sitzposition ein und achten darauf, dass Ihre Füße guten Kontakt zum Boden haben.

        „Kerne picken“ – Aktivierung des äußeren Beckenbodens

        Aktivieren Sie Ihren Beckenbodenmuskel kurz und kräftig, als würden Sie Kirschkerne, Nüsse, Reis etc. mit dem Beckenboden aufpicken wollen. Stellen Sie sich vor, sie wollen die Öffnungen verschließen und den Harn verhalten. Achtung: Ihr großer Gesäßmuskel bleibt dabei locker. 

        „Beckenboden-Lift“ – Aktivierung äußerer und innerer Beckenboden

        Spannen Sie Ihren äußeren Beckenboden wie bei der vorherigen Übung an und stellen sich vor, Sie würden eine Lifttüre schließen.

        Nun aktivieren Sie zusätzlich Ihren inneren Beckenboden, indem Sie sich vorstellen, Sie fahren mit dem Lift nach oben Richtung Herz. 

        Halten Sie diese Anspannung für 2-3 Atemzüge. Dann fahren Sie mit dem Lift wieder ganz nach unten, öffnen die Lifttüren und entspannen den Beckenboden bewusst. 

         

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        ¹ http://www.urologisch.at/harnverlust.php, Berufsverband der österreichischen Urologen

        Levator Avulsion

        Verfasst von Olivia Schmidjell und Susanne Riedl

        Was ist eine Levator Avulsion?

        „Die Levator Avulsion ist eine mögliche Geburtsverletzung (ausschließlich bei vaginalen Geburten), bei der es zu einem Ausriss bzw. Teilausriss des M. levator ani vorne am Schambein kommt. Bei bis zu 30% aller erstgebärenden Frauen kann laut Studienergebnissen eine Levator Avulsion festgestellt werden.“ ¹

        Was ist der Musculus levator ani?

        Der M. levator ani ist ein wichtiger Bestandteil des Beckenbodens. Er besteht aus 3 Anteilen (M. puborectalis, M.pubococcygeus und M.iliococcygeus). 

        „Neben der Trag– und Haltefunktion für die Beckeneingeweide unterstützt der M. levator ani den Verschluss des Analkanals. Die vorderen Muskelfasern bilden ein „Tor“ für den Durchtritt von Harnröhre, Vagina und Rektum.“ ²

        Wie wird eine Levator Avulsion diagnostiziert?

        „Häufig bleibt diese Art der Geburtsverletzung unerkannt.“ ³

        Dabei kann die Levator Avulsion mittels vaginaler Tastuntersuchung von geschulten Ärzt*innen/Physiotherapeut*innen/ Osteopath*innen festgestellt werden. Die Tastuntersuchung erfolgt vaginal durch Kontrolle des Ursprungsgebiets des Muskels auf seiner rechten und linken Anhaftstelle, diese sollte beidseits gleichmäßig zu tasten sein. Dann wird mittels Anspannen des Beckenbodens begutachtet, ob der Muskel auf beiden Seiten gleich zu tasten ist. Ein weiteres Indiz für eine Verletzung des Muskels ist eine Grube im Verlauf vom Levator ani.

        „Weiters werden 3D- und 4D Ultraschall bzw. MRT zur Diagnostik herangezogen.“ 

        Dies ist ausschließlich in speziellen Einrichtungen wie diversen Spitälern mit eigenen Ultraschallgeräten möglich.

        Was sind mögliche Risikofaktoren für eine Levator Avulsion?

        • Vaginale Entbindung 
        • Höheres Alter der Frau
        • Geringerer BMI
        • lange Austreibungsphase
        • Großer Kopfumfang des Babys
        • Hohes Geburtsgewicht des Babys
        • Zangen-Entbindungen

         

        Die Erfahrung zeigt, dass vor allem ungünstige Gebärpositionen einen hohen Einfluss auf Geburtsverletzungen haben bzw. bei erhöhter Bauchdruckerhöhung durch den sogenannten Cristellerhandgriff. Auch die Position des kindlichen Köpfchens (wenn ein Baby z.B. das Köpfchen in Streckhaltung hat und damit im Vergleich zur gebeugten Kopfhaltung den Kopfumfang erheblich vergrößert) trägt zu einem erhöhten Verletzungsrisiko bei.

         

        Was sind mögliche Spätfolgen einer Levator Avulsion?

        Aufgrund der einseitig reduzierten Anspannungsfähigkeit des M. levator ani kann es zu einer Schwäche der Beckenbodenmuskulatur kommen.

        „Weiters ist die Levator Avulsion der derzeit eindeutigste Faktor für die Entwicklung einer Blasensenkung und eines Gebärmuttervorfalls.“ 

        Weiters sind narbenbedingte Symptome wie Schmerzen, Druckgefühl, Zug nach unten, ausstrahlende Symptomatiken, schmerzbedingter Libidoverlust, schmerzhafter Geschlechtsverkehr und Asymmetrien zu berichten. 

         

        Welche Behandlungsmethoden gibt es?

        • Training der Beckenbodenmuskulatur und Kräftigung/ Koordination der umliegenden Muskulatur
        • Pessar- Therapie
        • Management von Stress und beckenbodenbelastenden Aktivitäten
        • Narbenbehandlung und ein Unterstützen der Faserausrichtung durch manuelle Techniken von einer/einem geschulten Physiotherapeut*in oder Osteopath*in können bei der Wundheilung sehr hilfreich sein und somit die Lebensqualität erheblich verbessern.

        Sie haben es in der Hand – unsere effektivsten Übungen für Sie:

        • Atemübungen: Nehmen Sie eine gemütliche Ausgangsposition ein. Nehmen Sie Ihre Atembewegung wahr und lenken Sie bei tiefen Atemzügen den Fokus auf die verletze Seite. 
        • Kräftigung der umliegenden Muskulatur: Legen Sie sich in Seitenlage (die verletzte Seite ist oben). Ihre Beine sind leicht angewinkelt. Die Füße bleiben aufeinander liegen und halten dabei ständig Kontakt. Bei der Ausatmung heben Sie das obere Knie ab, bei der Einatmung senken Sie es wieder.

         

        Quellen:

        ¹ https://de.wikipedia.org/wiki/Musculus_levator_ani

        ² https://www.pschyrembel.de/Musculus%20levator%20ani/K17GE

        ³ Dietz, H.P. (2012).Clinical consequences of levator trauma. Ultrasound Obstetrics Gynecology; 39: 367-371

        Dietz, H.P. (2013). Australian and New Zealand Journal of Obstetrics and Gynaecology; 53: 220–230 

         Caudwell-Hall, J. Kamisan Atan, I. (2014). Can pelvic floor trauma be predicted antenatally? Ultrasound in Obstetrics & Gynecology; 44: 62–180.

        5 Dietz, H.P. Shek, K.(2010).BJOG An International Journal of Obstetrics & Gynaecology 117(12):1485-92

         https://www.sydneypelvicfloorhealth.com/beckenboden-trauma

        Narbenbehandlung

        Verfasst von Clara Edler

        Wie erfolgt die Wundheilung?

        Die Heilung einer Verletzung und der daraus resultierenden Narbe wird in drei Phasen unterteilt:

        1. Entzündungsphase
          Diese dauert von der Entstehung der Wunde ca. fünf Tage an. Hier geht es vorrangig um einen provisorischen Wundverschluss und um eine Analyse durch den Körper, welches Gewebe verletzt wurde, was wiederum wichtig für die darauffolgenden Phasen ist.
        2. Proliferationsphase
          Hier wird das vorab erstellte Provisorium durch Einsprießen von Kollagen stabilisiert, die Wundränder wachsen zusammen, die Narbe beginnt zu verblassen. Nach ca. 21 Tagen ist diese Phase abgeschlossen.
        3. Remodellierungsphase
          Dies ist die längste Phase und dauert 300 – 500 Tage. Das Gewebe wird in dieser Phase auf die für das Gewebe entsprechenden Belastungen spezialisiert und vom Körper dahingehend umgebaut.

         

        Wie kann sich eine Narbe auf den restlichen Körper auswirken?

        Jeder Heilungsprozess nach einer Gewebsschädigung hinterlässt Adhäsionen (Verklebungen) zwischen den vielschichtigen Systemen der betroffenen Körperregion und kann zu Funktionseinschränkungen auf motorischer, sensorischer und/oder vaskulärer Ebene führen.

        Hier wird oft von Funktionsketten gesprochen, welche den komplexen Zusammenhang zwischen einzelnen Körperregionen darstellen. Diese können von einer lokalen Quelle über das Fasziengewebe in den Gesamtorganismus weitergeleitet werden. So kann es z.B. zu Schmerzen in der Wirbelsäule, der Hüfte oder zu Störungen der Verdauung kommen, ausgelöst durch die Verklebung der Narbe im Bereich des Beckens.

        Wunde ist der deutsche Begriff für das griechische Wort Trauma. In der Praxis kann es beim Lösen von körperlichen Narben zu emotionalen Reaktionen kommen, die in Verbindung mit der Narbe und dem dazugehörigen Trauma gespeichert sind. 

         

        Wann kann mit der Narbenbehandlung begonnen werden?

        Eine Narbe kann von Beginn an mit der entsprechenden Intensität unter Einhaltung der Wundheilungsphasen behandelt werden. Dies ist auch für die Heilung wichtig, denn jedes Gewebe braucht spezifische Reize, um das Narbengewebe entsprechend umzubauen und zu stabilisieren.

         

        Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

        • Spezialisierte Physiotherapeut*innen und Osteopath*innen können Funktionsketten erkennen und diese gezielt mit Faszien- und viszeralen Techniken behandeln.
        • Die Narbenmassage ist die bekannteste Form der Narbenbehandlung. Hier  gibt es verschiedene Techniken – je nach Stand der Wundheilung – mit dem Ziel der Mobilisation, der Förderung des Lymphabflusses sowie der Durchblutung und der Tonusregulation im Sinne einer Entspannung.
        • Lokale Narbenmobilisation mit manuellen Techniken durch speziell geschulte Physiotherapeut*innen und Osteopath*innen
        • Lymphdrainage
        • Energetische Narbenbehandlung in der Alternativmedizin
        • Geräte und instrumentengestützte Maßnahmen wie z.B. das Anlegen von Narbentapes, Behandlungen mit Hilfe eines Narbenstiftes, Rollen, Bürsten oder Laser.
        • Eigenbehandlung im Zuge der Körperhygiene, mit Bürsten oder manuellen Techniken die zuvor in der Therapie von einem Physiotherapeuten oder Osteopathen geschult wurden.

         

        Sie haben es in der Hand – unsere effektivsten Übungen für Sie:

        • Eigenbehandlung bei frischen Narben: Bereits in der Entzündungsphase ist es wichtig, sich mit seiner eigenen Narbe zu befassen. Legen Sie Ihre Hand vorsichtig auf die Narbe, nehmen Sie Kontakt auf und versuchen Sie zur Narbe hin zu atmen. Betrachten Sie auch Ihre Narbe – hier kann es eventuell nötig sein, einen Spiegel zur Hand zu nehmen. Keine Scheu, es ist Ihr Körper!

         

         

        • Eigenbehandlung ab Mitte Proliferationsphase: Integrieren Sie Ihre Narbe bewusst in Ihre tägliche Körperhygiene. Seifen Sie sie sorgsam ein, trocknen Sie die Narbe bewusst ab und regen somit die Durchblutung an und massieren Sie die Narbe anschließend sanft mit einer Creme ein (bei vaginalen Verletzungen hier auf entsprechende Produkte achten).

         

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        Quellen:

        • Nils E. Bringeland, David Boeger (2017, Urban & Fischer). Narbentherapie – Wundheilungs- und Faszienorientierte Therapieansätze

         

        • Harald Bant, Hans-Josef Haas, Martin Ophey, Mike Steverding (2011, Thieme Verlag). Sportphysiotherapie

         

        • Michaela Liedler (2018). Influence of postoperative adhesion after caesarean section on chronic lower back pain – a pilot study, Dissertation, Wiener Schule für Osteopathie, 2018
        PCO Syndrom

        Verfasst von Andrea Hofbauer

        Was ist Polyzystisches Ovar/ Ovarial Syndrom (PCO/PCOS)?

        PCOS ist eine der häufigsten Stoffwechselstörungen geschlechtsreifer Frauen, ausgelöst durch unterschiedliche pathogenetische Mechanismen und gekennzeichnet durch ein komplex gestörtes hormonales Gleichgewicht.“¹

        Das hormonelle Gleichgewicht ist in Richtung erhöhter Produktion männlicher Hormone (Androgene) verändert. Außerdem kommt es, wie der Name schon sagt, zu Problemen in den Eierstöcken (Ovarien). Dort bilden sich viele (poly-) mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume oder Bläschen (Zysten). 

         

        Was sind die häufigsten Symptome?

        • Unregelmäßiger Zyklus
        • Vermännlichung (Virilismus) der Körperstatur und der Behaarung (Hirsutismus) wegen der erhöhten männlichen Hormone
        • Unfruchtbarkeit

         

        Wodurch kann ein PCOS entstehen?

        Die Ursache ist noch nicht vollständig geklärt. 

        • Es wird angenommen, dass Vererbung eine Rolle spielt, da das Krankheitsbild familiär gehäuft auftritt. 
        • Übergewicht scheint ein wichtiger Faktor zu sein, da viele der Betroffenen übergewichtig sind. Dies geht häufig mit einer Insulin-Resistenz (Zucker-Resistenz) einher. Dabei kann der im Körper vorhandene Zucker von dem Hormon Insulin nicht mehr vollständig in die Zellen transportiert werden, was wiederum die Symptome verstärkt. 
        • Es gibt auch normalgewichtige Frauen die unter PCOS leiden.

         

        Wie wird ein PCOS behandelt?

        Unterschieden wird ob ein Kinderwunsch besteht oder nicht. 

        • Bei Kinderwunsch: hormonelle Stimulierung um einen Eisprung anzuregen
        • Kein Kinderwunsch: wird meist eine Anti-Baby-Pille verschrieben um den Eisprung zu unterdrücken und den Zyklus zu stabilisieren

        Allgemeine Verhaltensmaßnahmen

        • Gewichtsreduktion
        • Ernährungsumstellung: wenig Kohlehydrate und Zucker um der Insulinresistenz, wenn vorhanden, entgegenzuwirken
        • Regelmäßige körperliche Betätigung

        Physiotherapeutischer/Osteopathischer Behandlungsansatz

        Physiotherapeut*innen und Osteopath*innen erstellen einen individuellen Behandlungsplan, der sich an den Beschwerden orientiert und unter anderem folgende Behandlungsaspekte beinhalten kann:

        • Es wird versucht das hormonelle Gleichgewicht zu beeinflussen
        • Die Durchblutung des kleinen Beckens zu verbessern
        • Organe, wie Gebärmutter, Eierstöcke, aber auch den Darm behandeln

        Sie haben es in der Hand – unsere effektivsten Übungen für Sie:

         

        Da es sich bei PCOS um eine Störung des Hormonhaushaltes handelt sind die wichtigsten Maßnahmen die Sie setzen können:

        • Gewichtsreduktion 
        • Ernährungsumstellung
        • Regelmäßige körperliche Betätigung

         

        ¹ https://de.wikipedia.org/wiki/Polyzystisches_Ovar-Syndrom

        Prostata

        Verfasst von Sabine Leh und Petra Höckner

        Was ist die Prostata?

        Die Prostata liegt unterhalb der Harnblase und umschließt zum Teil die Harnröhre und den inneren Schließmuskel. Sie stabilisiert und stützt somit Blase und Harnröhre. 

         

        Was sind die häufigsten Beschwerdebilder der Prostata?

        Die Prostatahyperplasie ist eine gutartige Vergrößerung der Prostata. Sie kann Beschwerden beim Urinieren oder so genanntes „Nachtröpfeln“ verursachen.

        Unter Prostatitis versteht man eine Entzündung der Prostata. Bei chronischem Verlauf kommt es oft zu einem allgemeinen Beckenschmerz.

        Ein Tumor der Prostata wird über den PSA-Wert und den Tastbefund durch einen Urologen diagnostiziert. Der PSA-Wert ist ein Enzym, das sich als Tumormarker eignet. Je früher das Karzinom erkannt wird, umso besser sind die Heilungschancen. Über die Therapieoptionen wird Sie Ihr behandelnder Arzt aufklären.

        In einer begleitenden Physiotherapie oder Osteopathie lernen Sie schon vor einer möglichen Operation Ihren Beckenboden wahrzunehmen, um danach rasch und effektiv mit dem Muskelaufbau beginnen zu können. Dieser Muskelaufbau wirkt einer möglichen Inkontinenz entgegen. Sie werden auch zur Narbenmassage angeleitet. Bei einer entstandenen Impotenz können Beckenbodentraining und eine Vakuumpumpe zur Anwendung kommen.

         

        Sie haben es in der Hand – unsere effektivste Übung für Sie:

         

        Psst

        aufrechter Sitz auf einem Stuhl, Füße sind im Boden verwurzelt, man stellt sich vor, dass man eine lärmende Gruppe Menschen zum Schweigen bringen will und sagt laut und energisch: „psst“ reflektorisch kommt es im Bauch- und Beckenbodenbereich zu einer Anspannung. Wiederholen Sie diese Übung 10x 

         

        Wahrnehmung der Schließmuskelspannung (VOR einer Operation)

        Umfassen sie mit einer Hand den Daumen der anderen Hand. Der Daumen stellt die Harnröhre dar, die Hand ihren Schließmuskel. Nun drücken sie den Daumen fest zusammen, dies entspricht der Verengung von 100%. Jetzt drücken sie nur halb so fest, also 50%. Wenn sie diese Spannung mit ihrem Beckenboden mitmachen, spüren sie bei 50%, dass sich die Peniswurzel hebt. Po- und Beinmuskeln bleiben dabei ganz locker.
        Wenn sie nun wieder in etwa die halbe Spannung aktivieren, sind sie bei ca. 30% und wieder die Hälfte entspricht in etwa der Spannung von 10%. Spielen sie sich mit der Spannungsintensität, um eine gute Wahrnehmung und Ansteuerung für den Beckenboden zu bekommen. 

        Achtung! NACH einer Prostata-OP sollten sie die Spannungsintensität erst im späteren Rehaverlauf steigern. 

         

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        Quelle: Kursskriptum „Lehrgang Beckenboden Basic – Mann“ Judith Harpf-Hadeyer

        Schmerzen beim Geschlechtsverkehr Frau

        Verfasst von Petra Höckner

        Was ist der erste Schritt, wenn Schmerzen beim Geschlechtsverkehr auftreten?
        Der erste Weg ist die gynäkologische Abklärung, um die Ursache zu finden und eventuell gleich zu behandeln.
        Je nach Art und Lokalisation der Schmerzen, kommen viele Ursachen in Frage. Mögliche Ursachen können sein: Pilzinfektionen, Entzündungen, Veränderungen der Scheidenflora (Menopause), Senkungen, nervenbedingte Schmerzen, Hämorrhoiden, ein überaktiver oder verspannter Beckenboden uvm. Eine sehr häufige Ursache ist ein verspannter Beckenboden.

         

        Wodurch entsteht ein verspannter Beckenboden?

        • Häufiges, langes Zurückhalten bei Harndrang
        • Übermäßiges Beckenboden-Krafttraining ohne Entspannung
        • Häufige Harnwegsinfekte
        • Atemfunktionsstörungen (Zusammenspiel Zwerchfell-Beckenboden)
        • Traumatische sexuelle Erfahrungen
        • Beschwerden in Wirbelsäule, Steißbein
        • Kieferbeschwerden
        • Allgemein hohes Stresslevel

         

        Welche Funktion hat der Beckenboden beim Geschlechtsverkehr?

        • Aufbau und Aufrechterhaltung von Erektion (Anschwellen der Schamlippen und Klitoris, feucht werden)
        • Harnröhrenverschluss
        • Orgasmusfähigkeit
        • Verengen und Weiten der Vagina

         

        Welche physiotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

        • Manuelle Techniken am knöchernen Becken und Wirbelsäule, um Beweglichkeit zu verbessern – Einfluss auf Nervensignalaktivität und Durchblutung
        • Interne (vaginale und rektale) und externe Techniken, um die Beckenbodenmuskulatur zu entspannen
        • Viszerale Techniken um das Organsystem und deren Aufhängung zu entspannen
        • Entspannungstraining
        • Beckenbodentraining um die Entspannung zu fördern und die normale Spannung wiederherzustellen
        • Atemtechniken

         

        Sie haben es in der Hand – unsere effektivsten Übungen für Sie:

        • Tiefe Atmung: Legen Sie sich entspannt auf den Rücken und legen die Hände auf den Unterbauch. Stellen Sie sich vor, sie haben einen Luftballon in Ihrem Unterbauch. Der Luftballon dehnt sich bei der Einatmung in alle Richtungen aus und zieht sich bei der Ausatmung wieder zurück. Versuchen sie mit jedem Atemzug den Luftballon etwas größer aufzublasen, ohne dabei Spannung aufzubauen. Der Luftballon füllt sich gefühlt ganz von alleine. Führen Sie die Übung mehrmals am Tag durch, auch im Sitzen oder Stehen.
        • Beckenbodenspannung und -entspannung: Sie sitzen aufrecht auf Ihren Sitzbeinhöckern. Stellen Sie sich vor, sie haben eine Seerosenblüte zwischen den Sitzbeinhöckern. Versuchen Sie, die Seerosenblüte etwas zu schließen, indem Sie Ihren Beckenboden anspannen. Wenn Sie nach ein paar Sekunden Spannung wieder loslassen, öffnet die Seerosenblüte wieder, bis zu ihrer „normalen Spannung“. Stellen Sie sich nun vor, Sie können die Seerosenblüte noch ein Stück weiter öffnen, sodass die Blütenblätter sanft auf der Wasseroberfläche zum Liegen kommen. Achten Sie dabei, dass Sie die Blütenblätter nicht unter Wasser zu drücken. Wiederholen Sie diese Übung 5 Mal hintereinander.

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        Quellen:

        Antje Hüter-Becker und Mechthild Dölken „Physiotherapie in der Gynäkologie, 2. Auflage“
        Manuela Ganglbauer, MSPhT „Skriptum Beckenboden Basiskurs Frau“ (2018)

        Schwangerschaftsbegleitung und Geburtsvorbereitung

        Verfasst von Andrea Tauch

        Welchen Veränderungen ist eine Frau in der Schwangerschaft ausgesetzt?

        Eine Schwangerschaft bringt für eine Frau viele körperliche, aber auch psychische und soziale Veränderungen mit sich.

        Der weibliche Körper passt sich durch hormonelle Veränderungen daran an, dass zusätzlich zum eigenen Organismus auch das Baby versorgt werden muss. Diese Veränderungen betreffen sämtliche Organsysteme wie unter anderem den Kreislauf, den Stoffwechsel und die Atmung.

         

        Welche häufigen Symptome können während der Schwangerschaft auftreten?

        Durch viele körperliche Veränderungen während der Schwangerschaft kann der weibliche Körper individuell mit verschiedensten Symptomen reagieren.

        Zu den häufigsten Beschwerden zählen neben Rücken- und Beckengürtelschmerzen Übelkeit, Sodbrennen, Verdauungsprobleme, Schwellungen (Ödeme), Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Vieles mehr.

         

        Wie ist der natürliche Geburtsverlauf?

        Jede Geburt erfordert ein komplexes Zusammenspiel von anatomischen und physiologischen Abläufen von Seiten der Mutter und des Kindes. Bei einem normalen Geburtsverlauf arbeiten Mutter und Kind optimal zusammen. Die Mutter macht durch Wehentätigkeit den Geburtsweg für ihr Kind frei und das Baby passt sich durch Haltungsveränderungen dem Geburtskanal an damit es ihn passieren kann. Dabei ist es hilfreich, wenn die knöchernen, muskulären sowie bindegewebigen Strukturen der Mutter frei von Blockaden sind und das Baby eine gute Lage als Startposition für die Geburt hat. Außerdem hilft eine möglichst angstfreie und entspannte Einstellung zur Geburt den Geburtsprozess gut zu meistern.

         

        Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

        • Spezialisierte Physiotherapeut*innen und Osteopath*innen helfen dabei, der schwangeren Frau bei den Anpassungsvorgängen Unterstützung zu bieten. Ziel ist dabei, Beschwerden zu minimieren und somit die tägliche Lebensqualität zu steigern.
        • Je nach Beschwerden und Befund werden Gelenke, Muskulatur, Bänder, Organsysteme oder auch das Nervensystem harmonisiert.
        • Bei Fehllage des Ungeborenen (z.B. Beckenendlage) ist Osteopathie hilfreich, damit es die Möglichkeit hat, sich in die richtige Position zu drehen und tiefer ins Becken einzutreten.
        • Geburtsvorbereitend wird ein großes Augenmerk auf die Freiheit der am Geburtsprozess beteiligten Strukturen wie dem Beckenboden und dem Becken gelegt. Auch alle anderen Bereiche und Systeme, die Unterstützung brauchen, werden ausgeglichen und die Einheit von Mutter und Kind gefördert.

         

        In Studien zeigt sich der positive Einfluss von osteopathischen Behandlungen während der Schwangerschaft auf schwangerschaftsspezifische Symptome und auf die Geburt. 

        Die Frau wird dabei unterstützt und angeleitet, auch selbständig für ihr Wohlbefinden zu sorgen. Dazu dienen aktive Übungen und angepasstes Training in der Schwangerschaft, Entspannungstechniken, Visualisierungen, Dammmassagen und weitere Maßnahmen.

         

        Sie haben es in der Hand – unsere effektivsten Übungen für Sie:

        • Tiefe Atmung: Legen Sie Ihre Hände rechts und links auf den Rippenbogen. Nehmen Sie dort Ihre Atembewegung wahr. Nun versuchen Sie noch tiefer in Richtung Ihrer Hände hin zu atmen. Nach ein paar tiefen Atemzügen legen Sie Ihre Hand auf Ihren Unterbauch zu Ihrem Baby. Beim Einatmen schicken Sie die Atemwelle zu Ihren Händen und Ihrem Kind. Danach atmen Sie entspannt wieder aus. Sie können hierbei die Sekunden mitzählen, in denen Sie flüssig und leicht einatmen können um anschließend die Luft während der Ausatmung doppelt so lange wieder ausströmen zu lassen. Wenn es Ihnen dabei gut geht und die Atmung dabei harmonisch bleibt, können Sie diesen Atemrhythmus allmählich auf mehrere Sekunden ausdehnen.
        • Beckenbodenspannung und -entspannung: Stellen Sie sich vor, Sie legen einen kleinen Ball (kleiner als ein Tischtennisball) in Ihre Scheide. Während des Ausatmens versuchen Sie den Ball leicht zusammenzudrücken und innerlich in sich hoch zu ziehen. Dabei spüren Sie, dass sich ihr Beckenboden und Unterbauch anspannt. Sie können dabei auch versuchen zusätzlich Harnröhre und After zu verschließen. Mit dieser Grundspannung können Sie sich vorstellen, dass Sie Ihr Baby und Ihre Organe von unten wie eine gespannte Hängematte stützen.
        • Beim Einatmen lösen Sie die Spannung wieder zur Gänze. Versuchen Sie dabei sich vorzustellen, dass der Beckenboden ganz entspannt, weit und weich wird, was schon eine gute Vorübung für die Geburt ist.

        Wenn dies gut möglich ist, kann die Übung auf mehrere Atemzüge ausgedehnt werden.

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        Senkung

        Verfasst von Annemarie Heyn und Ulrike Schneider

        Was ist eine Senkung?

        Von einer Senkung (lat. Descensus) wird gesprochen, wenn sich die Lage der Beckenorgane verändert. Die Blase, Gebärmutter oder Teile des Darms senken sich nach unten ab.

        Es wird unterschieden zwischen einer Absenkung der Blase (Zystozele), der Harnröhre (Zystourethrozele), des Mastdarmes (Rektozele), des Dünndarms (Enterozele) und der Gebärmutter (Uterozele).

        Je nach Organbeteiligung und Ausmaß wird die Senkung unterschiedlich benannt und in 4 Schweregrade eingeteilt. Zur Diagnostik werden POP Q Untersuchung (manuelle Tastuntersuchung), Ultraschall und Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt.

        Die Senkung kann fortschreiten oder nicht, sie kann vorübergehen (häufig nach der Geburt eines Kindes) oder stagnieren. Bei 30 Prozent aller Frauen unter 45 Jahren, die ein Kind geboren haben, wird eine Absenkung der Organe diagnostiziert. Da eine leichte Senkung (Grad I) auch beschwerdefrei sein kann, liegt die Anzahl der tatsächlich betroffenen Frauen wahrscheinlich höher.

        Wie kann sich eine Senkung äußern?

        • Fremdkörpergefühl/ Druckgefühl in der Scheide
        • Verändertes Harnverhalten (Harnverlust oder Harnverhalt) 
        • Gestörte Darmentleerung
        • Schmerzen im Becken
        • Sexuelle Beschwerden

        Wodurch kann eine Senkung entstehen?

        • vaginale Geburten / Geburtsverletzungen
        • Schwangerschaften
        • Schwäche der Bindegewebsstrukturen und der Muskulatur rund um den Beckenbereich (Beckenboden)
        • schwere körperliche Arbeit
        • chronischer Husten
        • Übergewicht
        • Schnelle Gewichtsabnahme
        • Nervenverletzungen

        Wie wird eine Senkung behandelt?

        Bei einer Senkung Grad I-II und als Prophylaxe steht die konservative Behandlung  an erster Stelle.

        • Ein erster Schritt ist die Reduktion der Risikofaktoren, wie z.B. die Vermeidung einer Druckerhöhung im Bauchraum. Diese passiert z.B. beim Pressen auf der Toilette, beim Husten und bei schwerer körperlicher Arbeit. In der Physiotherapie lernen sie eine aufrechte Körperhaltung und eine, die Beckenbodenmuskulatur aktivierende und Becken- und Bauchorgane stützende Arbeitshaltung einzunehmen (beim Tragen, Bücken…). Sie lernen, wie Sie das Pressen auf der Toilette vermeiden können und eine beckenbodenschonende Hustentechnik.
        • Eine moderate Gewichtsreduktion wirkt sich positiv auf den Therapieerfolg aus.
        • Ein gezieltes Training der Beckenbodenmuskulatur unter Anleitung einer/s speziell geschulten Physiotherapeut*in bringt einen besseren Trainingserfolg als nur das selbständige Üben nach unspezifischen Anleitungen. Das Beckenbodenmuskeltraining kann auch durch gerätegestützte Therapie erweitert werden.
        • Osteopathische Behandlungen, können den Trainingserfolg unterstützen und Beschwerden lindern. Über die Bauchdecke und durch die Scheide bzw. After werden Spannungen an Organen sowie ihren Aufhängungen und an Faszien gelöst.
        • Ihr Gynäkologe kann Ihnen eine passive Stütze, die in der Scheide getragen wird (Pessare), anpassen.
        • Manchmal wird Ihr Gynäkologe eine lokale Östrogenbehandlung empfehlen.
        • Die Chancen, dass sich ihre Senkung nicht verschlechtert und Sie zufrieden damit leben können, sind sehr hoch, wenn es Ihnen gelingt, die Ursachen zu reduzieren und Sie regelmäßig über 3-6 Monate Ihre Beckenbodenmuskeln stärken.

          Bei höhergradigem Befund oder Komplikationen muss das weitere Vorgehen mit Ihrem behandelnden Arzt besprochen werden.

           

          Sie haben es in der Hand – unsere effektivste Übung für Sie:

          Für das Üben in der Brücke legen Sie sich auf den Rücken, stellen Ihre Füße hüftbreit auf und legen die Hände auf Ihren Bauch. Die Fingerkuppen berühren den oberen knöchernen Rand des Schambeins. Mit dem Ausatmen spannen Sie Ihren Beckenboden an. Gleichzeitig üben Sie mit Ihren Händen auf dem Unterbauch einen sanften Druck in die Tiefe und einen leichten Zug nach oben (kopfwärts) aus. Mit dem Einatmen entspannen Sie den Beckenboden und lassen Ihre Hände sanft auf Ihrem Bauch liegen und spüren dabei das Heben der Bauchdecke. Wiederholen Sie das für 5-10 Atemzüge.

          Für die nächsten 5-10 Atemzüge heben Sie mit der Ausatmung zusätzlich das Becken von der Unterlage hoch. Mit dem Einatmen das Becken wieder auf dem Boden ablegen.

          Zum Schluss bleibt das Becken für mehrere Atemzüge in der Luft (= Brücke). Der Beckenboden bleibt dabei maximal angespannt, und die Hände auf Ihrem Bauch können den sanften Druck in die Tiefe und den leichten Zug kopfwärts halten.

          Es empfiehlt sich bei einer stärkeren Senkung alle Kräftigungsübungen für den Beckenboden in einer „Umkehrposition“ zu machen, wobei das Becken an höchster Stelle ist. Bei milderen Senkungsformen sollte für eine effektive Kraftsteigerung auch in einer aufrechten Position (gegen die Schwerkraft) trainiert werden.

           

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          Quellen:

          • Price N/ Dawood R/ Jackson SR 2012: Pelvic floor exercise for urinary incontinence (syst. Literature review): 70% Verbesserung der Symptome nach 3 Monaten
          • Morkved S/ Bo K: European Urology Review 2009- Cochrane database: Evidence for PFMT during pregnancy and after childbirth: Beckenboden- Krafteffekt erst nach 3 Monaten- Je intensiver das Programm, desto größer der Therapieeffekt
          • Hagen et al 2013: Individualised pelvic floor muscle training in women with pelvic organ prolapse (POPPY): a multicentre RCT: Besserung durch individuell geleitetes Training, nicht aber durch Broschüre alleine.
          • Bogner D: EJOR 2019 – Osteopathic treatment of the genital descensus and its accompanying symptoms in women. A comparative pilot study of osteapathy and electrostimulation/ biofeedback for the pelvic floor: deutlicher Kraftzuwachs der Beckenbodenmuskeln und der Senkung nach 6 Monaten, wenn zusätzlich 4-6 osteopathische Behandlungen, weitere Verbesserung der Senkung  
          Vaginose

          Verfasst von Karin Mügge

          Was ist eine Vaginose?

          Unter Vaginose versteht man eine Infektion der Scheide infolge eines Ungleichgewichts der Scheidenflora verursacht durch eine verstärkte Besiedelung mit der Bakterienart Gardnerella vaginalis und anderen Keimen. 

          Was sind die Ursachen?

          Die normale gesunde Scheidenflora einer geschlechtsreifen Frau besteht überwiegend aus verschiedenen Milchsäurebakterien (Laktobazillen).

          Sie produzieren Milchsäure und sorgen so für ein saures Milieu in der Scheide (pH-Wert liegt zwischen 3,8 – 4,4) und unterdrücken so die Vermehrung krankheitsauslösender Keime.

          Die gesunde Scheidenflora gerät bei einer bakteriellen Vaginose aus dem Gleichgewicht und die krankheitserregenden Keime – hauptsächlich der Bakterienart Gardnerella vaginalis, aber auch Chlamydien, Mykoplasmen und Bacteroides-Bakterien können sich nahezu ungestört vermehren und ausbreiten.

          Folglich steigt der pH-Wert der Scheidenflora auf circa 5. Der gesunde, schützende Säuregehalt geht demnach zurück und es entsteht eine bakterielle Vaginose. 

           

          Wie sind die Symptome einer bakterielle Vaginose?

          Eine bakterielle Vaginose muss nicht unbedingt Beschwerden verursachen, sondern verläuft in etwa 40 bis 50 Prozent der Fälle asymptomatisch.

          Jedoch stellt etwa die Hälfte der betroffenen Frauen einen verstärkten, grau-weißlich bis gelblichen, dünnen bis schaumigen Scheidenausfluss sowie einen unangenehmen, fischartigen, manchmal auch süßlichen Geruch fest. 

          Zusätzlich können im Scheidenbereich Juckreiz und Hautreizungen auftreten. Auch werden gelegentlich Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder Wasserlassen festgestellt.

           

          Wie ist die Behandlung der bakteriellen Vaginose?

          In der Regel wird die bakterielle Vaginose medikamentös behandelt. Die Gabe von Antibiotika, vor allem das Antibiotikum Metronidazol hat sich dabei als sehr erfolgreich erwiesen.

          Eine Alternative zu Antibiotika wäre bei einer bakteriellen Vaginose eine intravaginale Verabreichung von Präparaten mit Laktobazillen, Milchsäure oder Ascorbinsäure.  Dadurch kann die angeschlagene Scheidenflora regeneriert werden.  Als Folge sinkt der pH-Wert und dies führt zu einem natürlichen und idealen, sauren Bereich. 

          Wie ist die Prognose für die bakterielle Vaginose?

          Für eine bakterielle Vaginose ist die Prognose bei einer Behandlung mit Antibiotika allgemein gut und eine Heilung wird meist innerhalb einer Woche erzielt.

           

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          Quelle:

          Fachdiskussion mit Univ.Prof. Dr. Ambros V. Huber, FA für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Oberarzt der Medizinischen Universität Wien

          Wochenbett und Rückbildung

          Verfasst von Beate Url und Clara Edler

          Was bedeutet Wochenbett und Rückbildung?

          Im Wochenbett kommt es zu folgenden Veränderungen:

          • Die Rückbildung der Gebärmutter und der Mutterbänder beginnt – dies kann in Summe bis zu einem Jahr dauern und ist nach dem Wochenbett nicht abgeschlossen!
          • Wiederherstellung und Aufbau der Spannung des Beckenbodens und des Rumpfbereichs (Rumpfkapsel)
          • Einschießen der Milch
          • Hormonelle Veränderungen

           

          Wie verläuft das Wochenbett?

          Das Wochenbett wird in Frühwochenbett und Spätwochenbett unterteilt.

          Als Frühwochenbett werden etwa die ersten 14 Tage nach der Geburt bezeichnet. Hier stehen vor allem viel Ruhe und Regeneration sowie das Kennenlernen des eigenen Babys im Vordergrund (Bonding). Unterstützend werden hier folgende Maßnahmen empfohlen: 

          • Die Lagerung in der Bauchlage für einen verbesserten Abfluss des Wochenflusses (Lochienfluss)
          • Das Vermeiden körperlicher Belastungen (max. das Gewicht des eigenen Babys) 
          • Die Wahrnehmung des Beckenbodens
          • Haltungsschulung 

          Im Spätwochenbett kann langsam mit der aktiven Rückbildung begonnen werden, welche langsam von der Wahrnehmung zum Training gesteigert wird. Ziel der Rückbildung ist es, die ursprüngliche Spannung im Beckenboden sowie der Rumpfkapsel wiederherzustellen. 

          Wie erfolgt eine zielgerichtete Rückbildung?

          Prinzipiell gilt, dass eine professionell begleitete Rückbildung für alle Frauen sinnvoll und wichtig ist. Dabei muss auf individuelle Situationen genau eingegangen werden.

          Waren Schwangerschaft und Geburt komplikationslos, besteht kein Senkungsgefühl, kein Harn- oder Stuhlverlust sowie keine Geburtsverletzungen, dann kann in einer Rückbildungsgruppe oder mit Informationsmaterial aus dem Krankenhaus bzw. der Hebamme bzw. des/der Physiotherapeut*in selbstständig an der Rückbildung geübt werden. 

          Wenn bereits während der Schwangerschaft Harnverlust oder Stuhlverlust ein Thema war bzw. nach der Geburt besteht, ist eine kurze therapeutische Konsultation sinnvoll. Wenn eine Organsenkung diagnostiziert wurde oder eine Geburtsverletzung auftrat, wird ebenfalls ein kurzes erheben des Ist-Zustandes durch eine/n qualifizierte/n Therapeut*in empfohlen. Diese hilft Ihnen mithilfe individueller Anamnese und therapeutischer Befundung, die gezielte Rückbildungsform für Sie zu finden und begleitet Sie auch gerne dabei!

          Bei der Rückbildung muss unterschieden werden, ob eine vaginale Geburt oder ein Kaiserschnitt (Sectio) vorangegangen ist.

          Wichtig zu wissen ist, dass nach einer Schwangerschaft, die allgemeine Muskelspannung im Rumpfbereich nachweislich verringert ist. Die Auslöser sind wenig Schlaf, Hormonumstellung, Veränderung der Körperhaltung, ungünstige Stillposition, …

          Wie erfolgt eine physiotherapeutische- bzw. osteopathische Behandlung?

          In der Einzeltherapie werden neben einer genauen Befundung unter anderem folgende Maßnahmen gesetzt:

          • Narbenbehandlung: 

          Damit eine Narbe besser und schneller verheilt bzw. wenn sie Schmerzen bereitet, sollte sie unbedingt behandelt werden. Es kann sowohl die Kaiserschnittnarbe als auch Narben im Bereich des Dammes bzw. der Vulva/Vagina behandelt werden. 

          • Eine genaue Befundung des Beckenbodens durch einen Tastbefund ermöglicht das Erstellen eines gezielten Übungsprogrammes. Auch in der Therapie kann bereits unter genauer Anleitung und Kontrolle individuell an der Spannung des Beckenbodens geübt werden. Dabei sind Wahrnehmung und Kräftigung des Beckenbodens und der Rumpfkapsel wichtig.
          • Das Zusammenspiel zwischen Organen und Bewegungsapparat nimmt in der Rückbildungszeit, einen wichtigen Stellenwert ein. Durch die Veränderungen während der Schwangerschaft und Geburt kann es zu Funktionsstörungen kommen, die durch diese spezielle Therapietechnik behandelt werden kann.

          Was ist eine Rectus Diastase?

          Während der Schwangerschaft kommt es zu einer extremen Dehnung der Rumpfwand. Hier ist vor allem der gerade Bauchmuskel (M. Rectus Abdominis) betroffen. Aufgrund des Bauchwachstums kann es zu einer Überdehnung des Bindegewebes in der Mitte der Muskulatur kommen. Die Folge ist, dass die gesamte Rumpfmuskulatur nicht mehr optimal zusammenarbeitet und somit die Stabilität des Körperkorsetts nicht gegeben ist. Ob eine Rectus Diastase besteht, können Therapeut*innen im Rahmen der Befundung feststellen und entsprechende Maßnahmen setzen. 

          Was sind mögliche Folgen einer versäumten Rückbildung?

          Eine versäumte Rückbildung kann vielfältige Folgen haben und unterschiedliche Auswirkungen auch in späteren Jahren verursachen. Einige Beispiele sind Organsenkungen, unterschiedlichste Inkontinenzformen (Stuhlinkontinenz, unkontrollierte Winde oder Harnverlust), Rückenbeschwerden, Instabilitäten im Bereich des Beckens oder der Hüftgelenke.

          Welche weiteren Behandlungsoptionen gibt es?

          Es gibt viele verschiedene Hilfsmittel, aber nicht jedes Hilfsmittel ist für jede Frau geeignet. Bitte sprechen Sie vorab mit Ihrer/Ihrem Gynäkolog*in oder Therapeut*in! Hier einige Beispiele:

          • Elvie: Dies ist ein kleines Biofeedbackgerät, welches vaginal eingeführt und mit dem Handy verbunden wird. Mittels visueller Unterstützung und Lagesensoren wird der Beckenboden gezielt und diskret gekräftigt und man kann seine Trainingserfolge abrufen. https://welovepinkplanet.com/empfehlungen/elvie/
          • Konen: Sie sind unterschiedlichen Gewichts, die beginnend mit dem leichtesten vaginal eingeführt werden und durch das Halten dieses Gewichts den Beckenboden stärken.
          • Pessare: Werden meist von der Gynäkolog*in angepasst und bei Senkungen eingesetzt, um Gebärmutter oder Blase an ihrem Platz zu halten.
          • Elektrotherapie: Dient zur Wahrnehmung und Kräftigung des Beckenbodens, indem Elektronen vaginal eingeführt werden und mit einem externen Gerät verbunden sind.
          • Biofeedback: Über Sensoren wird die Spannung im Beckenboden visualisiert und dient der Kräftigung.
          • Liebeskugeln / Jade Ei / Smartball Uno: Diese werden vaginal eingeführt und durch das Halten wird der Beckenboden gekräftigt.

          Wann kann nach einer Geburt wieder mit Sport begonnen werden? 

          Dies ist ein wichtiges Thema, welches nicht pauschal beurteilt werden kann! Eines ist jedoch für alle gleich, die Sportfreigabe von der/dem Gynäkolog*in nach der Geburt bedeutet nicht, dass die Rückbildung abgeschlossen ist! Im Gegenteil, wer wieder mit Laufen oder Krafttraining im Fitnessstudio starten möchte, muss sich umso mehr mit der Wahrnehmung und Aktivierung der Körpermitte befassen. Je umfangreicher und intensiver die sportlichen Ziele sind, desto intensiver muss auch an der Rückbildung und Aktivierung der Rumpfkapsel sowie des Beckenbodens mit professioneller Unterstützung gearbeitet werden. 

          Welche Risikofaktoren begünstigen Beckenbodenschäden nach einer Geburt?²

          • weniger als 3 Monate Sportpause nach einer Geburt
          • vorbestehende Inkontinenz während der Schwangerschaft 
          • sehr weiches Bindegewebe / Hypermobilität der Gelenke 
          • Schmerzen im Bereich des Kreuzbein-Steißbein Gelenks oder des unteren Rückens
          • Postnatale Depression, wenig Schlaf, Stress oder ähnliche Faktoren 

          Sie haben es in der Hand – unsere effektivste Übung für Sie:

          • Wahrnehmung des Beckenbodens über die Atmung

          Rückenlage, Beine aufgestellt:

          Atmen Sie ruhig und tief in den Bauch ein und wieder aus. Wichtig: In den Körper hineinspüren und Zeit lassen!

          • Bei der Einatmung senkt sich der Beckenboden ab, bei der Ausatmung geht er mit nach oben Richtung Herz
          • Versuchen Sie mit den Händen die Bauchbewegung und die Beckenboden Bewegungen zu ertasten. 
          • Wenn Sie den Beckenboden gut spüren, können Sie die Ausgangsstellung variieren, indem Sie die gleiche Übung mit gestreckten Beinen, in der Seiten- oder der Bauchlage durchführen.
          • Als weitere Steigerung können Sie versuchen, in Kombination mit der Ausatmung, sanft den Beckenboden mit anzuspannen.

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          Quellen:

          1 Die Wöchnerin – Empfehlungen aus dem Fachbereich der Physiotherapie (2019; Siller, Gödl-Purrer, Egger) 

          ² Returning to sport postnatal – Guideline (2019; Groom, Donelly& Brockwell)

          Zum Anschauen für Sie

          Beckenboden Gesellschaft Österreich

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